Neuerscheinung · Rezension · Romane

Anspruchs- und kunstvoll

franzJa, ich weiß. Ich bin spät dran, was eine Rezension von Jonathan Franzens aktuellem Epos „Unschuld“ (Rowohlt) betrifft. Aber manchmal tut ein bisschen Abstand zum Veröffentlichungstermin ganz gut. Und im Weihnachtsgeschäft wird dieser große Roman um Identität und Ideologie, DDR und USA, um Hacker, Whistleblower und investigativen Journalismus sowieso noch für Umsatz sorgen. Also, wie ist er nun? Wirklich so empfehlenswert, wie oft behauptet wird? Ja. Mit Einschränkungen. Denn einerseits grenzt es an Magie, was Franzen aus gewöhnlichen Buchstaben macht. Seine elegante, ironische Prosa ist – zumindest überwiegend – genial. Die Geschichte legt er weitverzweigt und detailversessen an, und die komplexen Porträts der Hauptfiguren Pip Tyler, Andreas Wolf und Tom Aberant sind hervorragend gezeichnet. Andererseits übertreibt Franzen es gelegentlich mit seinen ausschweifenden Charakterisierungen, was zu Lasten der Spannung geht. Trotzdem ist „Unschuld“ ein herausragender amerikanisch-deutscher Gesellschaftsroman. Anspruchs- und kunstvolle Unterhaltung auf höchstem Niveau.

2 Kommentare zu „Anspruchs- und kunstvoll

  1. Ich habe nach 200 Seiten abgebrochen, weil ich finde, dass „Unschuld“ bei weitem nicht an die Qualität von „Die Korrekturen“ oder „Freiheit“ heranreicht. Langeweile kam auf und die Figuren blieben mir ausgesprochen fern…

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