Interview · Krimis & Thriller

Im Interview: Andrea Sawatzki

sawatzkiTatort-Kommissarin, Hörbuchsprecherin, Autorin: Andrea Sawatzki! Soeben ist ihr vierter Roman „Der Blick fremder Augen“ (Droemer) erschienen. Ich habe die 52-jährige in Berlin interviewt:

Als prominente Schauspielerin werden Sie regelmäßig von Fremden angesprochen – wie gehen Sie damit um? Im Grunde genommen bin ich dankbar dafür – das sind ja meine Zuschauer und Leser. Die meisten verhalten sich dabei auch nett und höflich, aber gelegentlich kommt es zu Grenzüberschreitungen.

Ein Beispiel, bitte. Wenn ich ungefragt fotografiert oder geradezu bedrängt werde, geht mir das manchmal zu nah.

Eine der beiden Hauptfiguren in Ihrem neuen Roman erträgt keine Blicke von Fremden. Die junge Frau reagiert panisch und verängstigt. Können Sie das nachvollziehen? Ja. Sehr gut sogar. Es gab und gibt Momente in meinem Leben, in denen ich das Alleinsein vorziehe. Blicke von Fremden können manchmal irritierend sein, wenn man nicht weiß, was in den Köpfen vorgeht. Man sollte da aber nicht zu lange darüber nachgrübeln. Meistens können die Leute einfach nicht anders gucken und denken an etwas ganz anderes als man glaubt. Wenn man ein schwaches Selbstbewusstsein hat, so wie Kati, kann sich durch die Blicke der anderen allerdings eine grosse Unsicherheit und Furcht entwickeln.

Nach einem Thriller und zwei schwarzen Komödien sind Sie wieder zum Spannungsgenre zurückgekehrt. Aus einem bestimmten Grund? Geschichten, in denen Verbrechen passieren, faszinieren mich. Die Fassade der Menschen aufzubrechen, dem nachzuspüren, was sie dahinter verbergen, finde ich extrem spannend. Ich möchte die Umstände aufspüren, die die Menschen in die Enge getrieben haben. Und ich möchte ihr bisheriges Leben aufblättern. Da gibt es einen Kokon, der irgendwann aufplatzt. Kränkungen, Verletzungen, Ängste, Wut, Hass und Trauer, das alles bahnt sich seinen Weg nach draußen und sucht nach einem Opfer. Das ist beängstigend und faszinierend zugleich.

Erstmals in Ihren Romanen gibt es nun auch eine Kommissarin als tragende Figur. Stimmt – davor habe ich mich bis jetzt gedrückt. Ich wusste nicht, ob ich das glaubwürdig hinbekomme.

Diese Frau wünscht sich, noch einmal von vorne anzufangen oder auszuwandern. Hatten auch einmal solche Träume? Ja, das liegt aber lange zurück. Das war, als ich mich nach Engagements an Theatern in Wilhelmshaven und München plötzlich als Freiberuflerin durchschlagen musste. Ein halbes Jahr lang herrschte völlige Auftragsflaute, und ich fragte mich, warum ich mir das antue. Damals hatte ich mich in einen Franzosen verliebt, und dachte mir: ich wandere nach Frankreich aus und züchte Schafe!

2 Kommentare zu „Im Interview: Andrea Sawatzki

  1. Das Interview ist tatsächlich klasse. Aber hier hätten Sie doch einmal eine Ausnahme machen können und Ihren – ansonsten wohltuend kurzen – Schreibstil aufgeben können. Wenn man schon einmal die Chance hat, solch eine Schauspielerin zu treffen, darf das Interview sehr gerne etwas länger ausfallen. Oder anders: Gerne mehr davon!

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