Rezension · Romane

Die Verlogenheit der Opernbranche

krausserIch – und nur ich – werde der Retter der Gattung zeitgenössische Oper sein, der Messias, der die zu Museen verkommenen Opernhäuser mit ihrem immergleichen Repertoire aus hundert abgenudelten Standardwerken in Stätten neuer gesellschaftlicher Relevanz zurückverwandeln wird.“

Starke Worte. Gesprochen vom Berliner Komponisten Marius Brandt, der Hauptfigur in Helmut Kraussers neuem Roman „Alles ist gut“ (Berlin). Der größenwahnsinnige Brandt schreibt an einem neotonalen Werk – doch zunächst will es kein Opernhaus haben. Also tröstet sich der Komponist mit Alkohol, Sex und Selbstmitleid. Erst nachdem Brandt alte, verschlüsselte Musikaufzeichnungen jüdischer Herkunft enträtselt und in sein Werk einbaut, hat er plötzlich Erfolg. Helmut Krausser hat einen furiosen Schelmenroman über die Dämonen von Komponisten und die Verlogenheit der Opernbranche verfasst. Eine verspielte, köstliche Satire voller Wendungen auf hohem sprachlichem Niveau. „Ich werde den Leser nicht künstlich hinhalten wie das irgend so ein Spannungsschreiberling machen würde“ behauptet Brandt. Stimmt – er spricht Klartext, was die Lektüre zu einem großen Vergnügen macht.

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