Leonard Cohen und der Mörder

logoEin Dorf, irgendwo in den piemontesischen Bergen. In einer Gegend, in der der Enzianschnaps die Tage in die Länge zieht. In der die Tage am Abend genauso erschöpft wirken wie die Menschen. Der Lehrer Corso Bramard, Hauptfigur von Davide Longos Roman „Der Fall Bramard“ (Rowohlt), ist der schweigsamste Mann im Dorf. Hinter seiner Traurigkeit liegt eine unbändige Kraft – Bramard will eine zwanzig Jahre alte Mordserie aufklären, der auch seine Frau und seine Tochter zum Opfer fielen. Damals war Bramard als Kommissar dem Mörder auf der Spur. Dann verlor er seine Familie und sich selbst, stürzte ab, wurde Alkoholiker und kehrte nur langsam ins Leben zurück. Als sich überraschend der Mörder mit einem anonymen Brief und einem Zitat aus dem Song „Story of Isaac“ von Leonard Cohen an ihn wendet, nimmt Bramard die alten Ermittlungen auf. Der 44jährige Davide Longo zählt zu den stilsichersten italienischen Autoren seiner Generation. Er formuliert überlegt, klar und bedächtig. Seine Prosa ist genauso ernsthaft, kraftvoll und zielgerichtet wie seine Hauptfigur. Longos Plot gleicht zwar dem eines typischen Kriminalromans, doch seine Sprache verwandelt das Buch in ein literarisches Drama.

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