Rezension · Romane

Am Abgrund aller Dinge

caroIn einer wirklich dunklen Nacht der Seele ist es immer drei Uhr morgens.“ (F. Scott Fitzgerald)

Enrico Vallesi, die Hauptfigur aus Gianrico Carofiglios neuem Roman „Am Abgrund aller Dinge“ (Goldmann), erinnert sich an diesen Satz von Fitzgerald. Seine Frau hat ihn verlassen, und der einst gefeierte Bestsellerautor leidet unter einer Schreibblockade. Vallesi, 48, ist total neben der Spur. Immerhin sucht er nach etwas: Sinn, Motivation, Erklärungen. Nach 30 Jahren kehrt er in seine Heimatstadt Bari zurück.

Gianrico Carofiglio erzählt in schneller, intensiver Prosa von einem modernen Mann in einer Krise. Von einem, der zu viel Burbon und Whiskey trinkt. Aber auch intellektuell und selbstkritisch reflektiert. Enrico Vallesi taucht in seine Vergangenheit ein – als er eine Kampfsport-Ausbildung bei einem linksradikalen Jugendverband absolvierte und sich in seine Philosophie-Lehrerin verliebte. Mit seinen früheren Schlägereien und Schwärmereien konfrontiert, lernt Vallesi sich selbst besser kennen. Carofiglio porträtiert lässig und souverän seine melancholische Hauptfigur. Was diesen Roman prägt? Die subtile unterschwellige Spannung. Und der einfühlsame, nie kitschige Ton.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s