„Ich bin besessen von Psychologie!“

katzMit Verbrechen kennt er sich aus. Mit psycho- logischen Details ebenfalls. John Katzenbach, Ex-Gerichtsreporter, wird weltweit für seine Psychothriller gefeiert. Bekannt wurde der 64jährige mit Romanen wie „Die Anstalt“ und „Der Patient“. Vor kurzem ist „Der Psychiater“ (Droemer) erschienen. Ich habe Katzenbach gemeinsam mit der Journalistin Andrea Tholl interviewt:

In Ihrem neuen Roman werden mehrere Psychiater ermordet. Ist diese Berufsgruppe tatsächlich besonders gefährdet? Es besteht durchaus ein spezielles Risiko. In ihrem Berufsalltag beschäftigen sich Psychiater mit starken Gefühlen – aus Hass und Eifersucht etwa kann Gewalt entstehen. Normalerweise richten diese Emotionen keinen Schaden an. Aber es ist nicht auszuschließen, dass sich die Wut im Einzelfall auch gegen den Therapeuten richten könnte.

Zwei Ihrer Hauptfiguren verüben Selbstjustiz. Halten Sie das für gerechtfertigt? Das Prinzip der Selbstjustiz ist komplexer als man denkt und lässt sich nicht nur nach dem geltenden Gesetz beurteilen. Das Justizsystem versucht jedoch, auf umfassende Sachverhalte einfache Antworten zu geben: „Hat der Angeklagte die Tat begangen? Wenn ja, wie lautet das Strafmaß?“ Diese simple Konsequenz ist jedoch das Gegenteil von Gerechtigkeit.

Jetzt klingen Sie wie ein selbstkritischer Jurist. Ich bin aber ein Schriftsteller, der für emotionale Fragen und psychologische Antworten brennt. Die Vielschichtigkeit und Tiefe menschlichen Verhaltens auszuloten, treibt mich an.

Warum ist das bei Ihnen so? Ich bin besessen von diesem Thema. Psychologie ist die Voraussetzung für spannende Geschichten und überzeugende Protagonisten. Ich muss tief in die Psyche meiner Figuren eintauchen, um diese realistisch zu beschreiben. Nur wenn deren Ängste und Belastungen für meine Leser nachvollziehbar sind, werden sie authentisch und lebendig und eignen sich als Identifikationsfiguren. Auf diese Weise kann ich die Spannung in meinen Romanen aufbauen. An meiner Leidenschaft hat aber wohl auch meine Mutter einen großen Anteil.

Inwiefern? Sie hat lange als Psychoanalytikerin gearbeitet und mich zu einem meiner erfolgreichsten Romane inspiriert, „Die Anstalt“. Darin schreibe ich über die Erinnerungen eines Mannes, der gegen seinen Willen in eine psychiatrische Anstalt gesperrt wurde. Noch 20 Jahre später leidet er unter den furchtbaren Dingen, die dort passierten.

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