Neuerscheinung · Rezension · Romane

So fremd, so nah

coleDa ist es, inmitten von Korruption, Kriminalität und Dreck: Das Glück. Aufgespürt von einem Mann, der nach 15 Jahren in den USA in seine Heimat Nigeria kommt. Teju Cole hat mit „Jeder Tag gehört dem Dieb“ (Hanser) einen außergewöhnlichen Reisebericht geschrieben. Wie ein Journalist notiert er seine widersprüchlichen Eindrücke. Verwendet knappe, prägnante Sätze, schildert vielfältige Begegnungen.

Cole, der in New York und London Kunstgeschichte studierte, will alles sehen und probieren. Er läuft durch schmutzige Straßen, staunt, verzweifelt, lacht. Versteht nichts und alles. Nigeria, so fremd, so nah.

Manchmal hilft nur Humor. „Wunderbar, denke ich. Hier ist das Leben, in all seinen stinkenden Details“ meint Cole, als er zwei sich  prügelnde Männer beobachtet. Dem Schriftsteller wird klar, dass ihm seine Heimat eine Fülle von mitreißenden Geschichten liefert: „Es ist nicht vorbildlich, wie diese Gesellschaft funktioniert, und trotzdem beschleicht mich ein leises Mitgefühl mit all jenen Schriftstellern, die ihren Stoff verschlafenen amerikanischen Vorstädten abgewinnen und Scheidungsszenen schreiben müssen,in denen lethargisches Geschirrspülen eheliche Kälte symbolisiert.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s