Interview · Krimis & Thriller

Im Interview: James Ellroy

elliMan hatte mich gewarnt. Schwierig könne James Ellroy sein, unverschämt, ausfällig. Der wichtigste zeit- genössische Krimi-Schriftsteller pflegt sein Bad-Boy-Image, auch mit 67 Jahren. Doch in unserem Interview (Foto) gab er sich überraschend nett.

Als Kind mussten Sie den Mord an Ihrer Mutter verarbeiten, später waren Sie drogenabhängig und kriminell. Haben Sie diese Erfahrungen zu einem besseren Schriftsteller gemacht?  Die eigenen Erfahrungen sind zwar wichtig für einen Schriftsteller und sie fließen natürlich auch in mein Werk ein. Aber viel wichtiger sind zwei andere Faktoren: Talent und Arbeit. Zweifellos habe ich Talent. Besser als andere Schriftsteller bin ich allerdings nur, weil ich mehr arbeite als alle anderen. Ich bin ein gewissenhafter, besessener Handwerker, der sich richtig reinhängt und schuftet. Ich arbeite 40 Stunden am Tag, obwohl ich weiß, dass er nur 24 hat.

In Ihrem neuen Roman „Perfidia“ beschäftigen Sie sich wie in all Ihren Büchern mit Mord, Korruption, Krieg und Gewalt. Können Sie sich vorstellen, einmal über positivere Themen zu schreiben?  Das tue ich doch dauernd! Hinter meinen Geschichten steckt immer die Suche nach Anerkennung und Liebe, und immer geht es darum, was Männer und Frauen füreinander und ihretwegen tun.

Das ist nicht Ihr Ernst.  Doch. Meine Arbeit wird auch von einer starken Sehnsucht getrieben. Ich sehne mich nach romantischen Geschichten, dem alten Amerika, den positiven Seiten von 1941. Aber Krieg ist nunmal Krieg, und Mord ist Mord.

Eine Ihrer Hauptfiguren ist ein japanisch-stämmiger Polizist. Ziemlich perfide von Ihnen, diesen Mann zum Zeitpunkt von Pearl Harbour in Los Angeles ermitteln zu lassen.   Stimmt, der Mann hat es nicht leicht. Er ist klein, der einzige Japaner im Los Angeles Police Department, und ein heimlicher Homosexueller. Nach Pearl Harbour war der Hass auf Japaner groß, sie wurden beschimpft, verdächtigt und verhaftet.

Nach 9/11 ging es Muslimen in den USA ähnlich. Wollen Sie mit Ihrer Geschichte Parallelen aufzeigen?  Überhaupt nicht. „Perfidia“ spielt 1941, und ich beschreibe ausschließlich, was damals passierte. Mit der Gegenwart oder anderen Ereignissen hat das nichts zu tun. Dass immer wieder etwas in meine Bücher hineininterpretiert wird, kann ich nicht verhindern.

Vor kurzem haben Sie Ihren 67. Geburtstag gefeiert. Was halten Sie vom Konzept des Rentnerdaseins?  Das ist totaler Schwachsinn! Ich kann doch nicht einfach im Schaukelstuhl sitzen und nichts tun. In zweieinhalb Jahren kommt der nächste Band meiner neuen L.A.-Tetralogie, das bedeutet viel Arbeit.

Ihre Romane „L.A. Confidential“ und „Die Schwarze Dahlie“ wurden erfolgreich verfilmt. Wird es auch „Perfidia“ im Kino geben?  Vielleicht irgendwann. Wenn man mir genug Geld zahlt, kann Hollywood die Rechte haben. Wissen Sie, es geht bei Verfilmungen doch ohnehin nur ums Geld. Meinen Büchern wurden die Verfilmungen nicht gerecht, vor allem „Die Schwarze Dahlie“ nicht. Aber ich habe einige Dollar dafür bekommen und kann es mir leisten, einen Porsche zu fahren. Also rege ich mich nicht mehr groß auf darüber.

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