Im Interview: Jussi Adler-Olsen

jussiFast schon unheimlich, dieser Erfolg: Jussi Adler-Olsen steht wieder auf Platz 1 der Bestsellerlisten – mit „Verheißung“ (dtv), seinem neuen Thriller. Allein in Deutschland hat der 64jährige mehr als fünf Millionen Bücher verkauft – hier Auszüge aus unserem Gespräch:

In Ihrem neuen Roman passieren Verbrechen in einer transzendentalen Organisation. Haben Sie sich durch eigene Erfahrungen zu diesem Plot inspirieren lassen? Nein. Meine einzige Verbindung zur esoterischen Szene besteht darin, ihr im Fernsehen zuzugucken.

Wie meinen Sie das? Mehrere Monate pro Jahr lebe ich mit meiner Frau in Barcelona. In unserer dortigen Wohnung können wir keine anspruchsvollen Programme empfangen, vor allem spät abends und nachts nicht. Also gucke ich manchmal schrägen Moderatoren zu, die Tarotkarten legen und ihren Zuschauern sofortige Heilung versprechen. Auch Schamanen, Pendelexperten und viele andere esoterische Anbieter treten auf. Um drei Uhr nachts glauben die Leute alles.

Sie nicht? Nein. Aber ich mache mich darüber nicht lustig. Ich respektiere, dass einsame oder kranke Menschen Hilfe suchen und einen vielleicht speziellen Glauben entwickeln. Wenn dieser ihnen Entlastung bringt, ist das völlig okay. Mein neuer Roman soll keinesfalls die spirituelle Szene pauschal in ein schlechtes Licht rücken. Ich beschreibe darin allerdings, wie sinnsuchende Leute mit esoterischen Telefonhotlines abgezockt werden.

In „Verheißung“ kommt außerdem ein Guru vor, der auf ziemlich brutale Weise seine Macht missbraucht. Stimmt – ich habe ja schon öfter über Machtmissbrauch geschrieben: beim Militär, in der Politik, unter Ärzten, in Heimen. Wer seine Macht dazu nutzt, um Schwächere zu demütigen oder egoistische Ziele zu verfolgen, den verachte ich. Seitdem Spiritualität ein so großes Geschäft geworden ist, gibt es natürlich auch dort schwarze Schafe. Besonders perfide am Machtmissbrauch im Esoterik-Umfeld ist, dass Menschen darunter leiden, die sowieso schon schwach sind. Sie hoffen darauf, dass sich etwas in ihrem Leben ändert und vertrauen sich anderen an – und genau dann werden sie auch noch ausgenutzt.

In Ihrem Buch trifft es vor allem Frauen. Lassen sich Männer nicht so leicht von charismatischen Gurus blenden? Ich glaube nicht, dass Frauen leichtgläubiger sind. Allerdings stehen sie meist viel mehr zu ihren Schwächen und sind eher bereit, daran zu arbeiten. Die meisten Männer schämen sich davor, im Kreis einer Gruppe von ihren Problemen zu sprechen. Auch aus diesem Grund stellen Frauen die große Mehrheit der Teilnehmer spiritueller Kurse. Das macht sie häufiger zu Opfern.

Wie gehen Sie mit Ihrer eigenen Macht als Bestsellerautor um? Ich mag Macht, wenn sie gut gehandhabt wird. Macht ist sogar sehr wichtig, um die Welt in einem positiven Sinne zu verändern. Ich selbst genieße den Einfluss, den ich habe und gehe sehr verantwortungsvoll damit um. Meinen Lesern versuche ich immer auf Augenhöhe zu begegnen; ich bin nicht besser als sie, und ich bin kein Blender.

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