Rezension · Romane

Sex, Religion, Literatur & Politik

unterwerfungLohnt sich das überhaupt noch? Einen Roman lesen, über den schon alles gesagt, geschrieben, gedacht scheint?

Ja, es lohnt sich. Nicht nur, weil Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ (DuMont) noch immer auf Platz 1 der Bestsellerlisten steht. Sondern vor allem: weil es ein herausragendes Werk ist. So intelligent, elegant und provokant hat schon lange kein Autor mehr die vier wichtigsten Elemente eines großen Romans verbunden: Sex, Religion, Literatur & Politik. Besonders faszinierend: „Unterwerfung“ skizziert zwar einen Alptraum für die meisten Europäer – die demokratische Machtübernahme durch die „Bruderschaft der Muslime“. Doch Houellebecqs Hauptfigur Francois gerät darüber nicht in Panik, kommentiert die Veränderungen gelassen und ironisch und arrangiert sich mit der neuen Situation. Diese Perspektive lässt die fiktive gesellschaftspolitische Lage Frankreichs im Jahr 2022 noch realistischer und unheimlicher erscheinen. 

Man muss weder den Autor noch seine Hauptfigur oder deren Sex-Fantasien sympathisch finden. Aber man muss feststellen: „Unterwerfung“ regt an und auf. Michel Houellebecqs Prosa schillert und funkelt. Was will man mehr?

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