Der Mensch, der alles hört

raabWas für ein Roman! Ein ungewöhnlicher Mix aus Lebensgeschichte, Psychogramm und Thriller. Literarisch, spannend, grandios.

So. Jetzt ist´s raus. Ich musste einfach gleich meine Begeisterung loswerden. Thomas Raabs „Still“ (Droemer) ist ein hochwertiges Porträt eines Sonderlings, ähnlich wie Patrick Süskinds „Das Parfum“. Bei Raab geht´s nicht um den menschlichen Geruchssinn, sondern ums Gehör. Karl Heidemann, die Hauptfigur, hört alles. Den Flügelschlag eines Schmetterlings, das Rauschen der Wipfel des weit entfernten Waldes, den Atem und das Pulsieren des Blutes anderer Menschen. Deswegen verkriecht sich Karl im Keller, in der Dunkelheit. Wird größer, dicker, ein Koloss. Thomas Raab schildert seinen Lebensweg einfühlsam und klar. Er verwendet Worte wie ,„Gemahl“ oder „Innewohnen“. Doch Raab spielt ein raffiniertes doppeltes Spiel. So wohlklingend seine Geschichte daherkommt, so radikal ist ihr Kern: Karl lernt den Tod kennen und lieben, als seine Mutter vor seinen Augen im Dorfweiher Selbstmord begeht. Der Junge empfindet dabei eine seltsame Beglückung. Der Tod erscheint ihm als Erlösung, sogar als Liebesakt. Fortan mordet Karl. Äußerst geschickt und unerkannt. Er bringt komplette Dörfer gegen sich auf und muss flüchten. Ein herausragendes Werk über die Anmut des Todes! Auch als Hörbuch bei Argon, genial gelesen von Frank Arnold.

Thomas Raab ist auf Lesereise – ich moderiere seinen Auftritt in München am 11. Februar im Vereinsheim, Occamstr. 8.

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