Im Interview: David Nicholls

nichollsMit „Zwei an einem Tag“ schaffte David Nicholls den Durchbruch: Weltweit verkaufte ers sich mehr als 5 Millionen Mal und wurde von Hollywood mit Anne Hathaway verfilmt. Soeben ist Nicholls fünfter Roman erschienen, die Tragikomödie „Drei auf Reisen“ (Kein & Aber). Ich habe den 47jährigen interviewt:

Sie haben sich fast fünf Jahre Zeit für einen neuen Roman gelassen. Hatten Sie eine Schreibblockade? Nein, zum Glück nicht. Aber ich bekam Emma und Dexter, meine beiden Hauptfiguren aus „Zwei an einem Tag“, einfach nicht aus dem Kopf und wurde ständig auf sie angesprochen. Über zwei, drei Jahre hinweg schrieb ich mehrere Fassungen einer neuen Geschichte, war aber nie zufrieden.

Wann kam der Wendepunkt? Nachdem ich alles, wirklich alles, ausprobiert hatte: Ich schrieb betrunken, nüchtern, nachts, tagsüber, motiviert, genervt und probierte eine ziemlich verrückte Software für Autoren aus. Sie heißt „Write or die“.

Worum geht es dabei? Wie der Titel schon suggeriert, muss man schreiben oder eben sterben, das heißt: aufgeben. Konkret läuft das so ab: Wenn man eine zu lange Pause macht oder keine Ideen mehr hat, löscht das Programm alles, was man bisher geschrieben hat. Wahrscheinlich brauchte ich diese extreme Erfahrung.

In Ihrem neuen Roman versucht ein Paar, seine gescheiterte Ehe zu retten. Reisen die beiden deswegen mit ihrem Sohn kreuz und quer durch Europa? Die Idee zu dieser Art kultureller Pilgerreise hatten sie schon, bevor es kriselte. Sie wollten an Plätze zurückkehren, an denen sie bereits früher einmal waren, und sie wollten ihrem Sohn etwas von der großartigen Kultur Europas vermitteln. Doch nun ist es die vielleicht letzte Reise, die sie je zusammen machen werden. Douglas, mein Ich-Erzähler, hat die naive Hoffnung, dass er in dieser Zeit seine Frau zurückgewinnen kann. Er verbindet mit dieser „Grand Tour“ ein optimistisches Gefühl – so wie es den meisten von uns geht, wenn wir reisen. Die Sonne scheint durchs Auto-, Flugzeug- oder Zugfenster, und das Leben scheint ganz leicht zu sein.

Ihre Figuren müssen allerdings erfahren, dass man die Zeit nicht einfach zurückdrehen kann. Ja, leider. Jede Beziehung, jede Ehe, entwickelt sich weiter. Am Anfang ist alles spannend, man erlebt gemeinsam vieles neu und ist neugierig aufeinander. Dann kommen die Routine, die Kinder, das Älterwerden, das Gewöhnliche und Gleiche. Und ganz langsam wird das Ideal von der romantischen Liebe mit dem Alltag konfrontiert. Die Neugier wird durch Nostalgie ersetzt.

Macht Sie das traurig? Nein, nicht unbedingt, denn ich finde nicht, dass Beziehungen im Laufe der Zeit grundsätzlich schlechter werden. Sie werden nur anders. Ich kann auch nichts mit Beschreibungen der Ehe als Hölle oder Gefängnis anfangen, das ist mir zu pauschal und zu negativ. Meine Hauptfigur Douglas ist allerdings total traurig und geschockt. Er kann nicht fassen, dass er wohl bald seine Frau verlieren wird, und kämpft dafür, die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Die Zeit läuft, und es sieht nicht gut für ihn aus.

Der Zeitfaktor in Beziehungen war auch ein großes Thema in „Zwei an einem Tag“. Was fasziniert Sie daran? Manchmal wird ja behauptet, dass Autoren mit ihren Büchern ihre eigenen Ängste verarbeiten. Vielleicht ist das auch bei mir so – ich möchte nicht, dass meine eigene Beziehung in einen unvermeidlichen Sog gerät. Nicht dass es zurzeit danach aussieht: Ich halte meine Beziehung für stabil und bin sehr zufrieden damit. Sobald ich allerdings wieder über Problemen zwischen Männern und Frauen schreibe, wird meine Partnerin ständig gefragt: Ist bei euch alles in Ordnung? Hat David ein Problem oder hast du eines mit ihm?

 

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