Krimis & Thriller · Neuerscheinung · Rezension

Nesser kann´s noch immer

nesserVorgestern beschloss ich, meinen Hund zu überleben.“ Wenn ein Buch mit so einem Satz beginnt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Und genauso ist es. In Hakan Nessers neuem Kriminalroman „Die Lebenden und Toten von Winsford“ (btb) sitzt jede Formulierung, es gibt keine dramaturgischen Hänger und die Spannung steigt kontinuierlich an. Ungewöhnlich für Nesser: Er erzählt die Handlung komplett aus weiblicher Perspektive. „Ich“ sagt die Schwedin, als ob sie direkt mit den Lesern spricht. Es gibt auch ein „Wir“, das sind sie und ihr Hund. Die Frau flüchtet in die englische Moorlandschaft Exmoor und will in einem Dorf ein neues Leben beginnen. Doch warum? Wo sind ihr Mann, ihre Kinder? Wieso wird sie verfolgt? Nesser lässt seine Leser lange im Unklaren. Nur ganz langsam enthüllt er die Vergangenheit seiner Hauptfigur. Auch in seinem 24. Roman erweist sich der 64jährige als gewitzter, raffinierter Geschichtenerzähler. Serienkiller braucht er nicht, ihm genügen die Abgründe im Leben ganz normaler Menschen. Man spürt dem Schweden an, dass er noch immer eine unbändige Lust auf neue Geschichten hat. Seine Prosa, auch diesmal wieder erstaunlich leicht lesbar, besitzt eine Tiefe und Ironie, die sich deutlich vom Mainstream abhebt. Ach ja, ob die Frau ihren Hund tatsächlich überlebt? Abwarten…

2 Kommentare zu „Nesser kann´s noch immer

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