Erst Anwalt, dann Schriftsteller

zanderSchlink, Kafka, Grisham, von Schirach… Juristen sind sehr erfolgreiche Schriftsteller. Jetzt gibt es einen weiteren: Joakim Zander, 38. Sein Debütroman „Der Schwimmer“ (Rowohlt), ein rasanter Polit- und Geheimdienst-Thriller, wurde zum internationalen Bestseller. Zander arbeitete als Anwalt für das Europäische Parlament und die Europäische Kommission – seine Erlebnisse flossen direkt in den Roman ein. Hier Auszüge meines Interviews mit dem Schweden:

Haben Anwälte ein besonderes Talent fürs Schreiben?
Ja, denn man arbeitet ja immer mit Texten. Man liest und schreibt fast den ganzen Tag. Dabei muss man hochkonzentriert und analytisch an die Dokumente herangehen und jedes einzelne Wort prüfen. Das hilft sicher beim Schreiben eines Romans, obwohl es im Gerichtssaal ja ausschließlich um die Realität geht.

Wie haben Sie es zeitlich geschafft, neben Ihrer Arbeit für das EU-Parlament ein dickes Buch zu verfassen? Mit viel Disziplin, so wie es Stephen King in „Das Leben und das Schreiben“ empfiehlt. Mein Ziel war, jeden Tag tausend Wörter zu schreiben, egal, welche Aufgaben ich sonst noch hatte. Wenn meine Frau früh ins Bett ging, schrieb ich oft bis in die Nacht. Und nicht selten stellte ich mir den Wecker auf 5 Uhr morgens, um noch schreiben zu können, bevor ich unsere Kinder wecken musste. Ich gebe zu: Manchmal schrieb ich sogar in Meetings in Brüssel.

Ist das niemandem aufgefallen? Nein. Im EU-Parlament gibt es ständig Sitzungen, die viele Stunden oder einen ganzen Tag lang andauern. Da sitzen dutzende Menschen an langen Tischen, und meistens ist nur ein kleiner Teil der Gespräche für die eigene Arbeit relevant. So hatte ich die Gelegenheit, mit nur einem Ohr zuzuhören und nebenbei an einzelnen Szenen oder Kapitelübergängen zu feilen. Sonst wäre ich wohl nie mit dem Roman fertig geworden.

Der Plot von „Der Schwimmer“ spielt in Brüssel, Stockholm, Paris, Amsterdam, Damaskus und North Virginia. Haben Sie überall recherchiert? Nicht nur das – ich habe an vielen dieser Orte sogar gelebt.

Wie kam es dazu? Mein Vater arbeitete für die Vereinten Nationen, weswegen wir ständig umzogen. Wir lebten im Mittleren Osten, später auch in Israel und den USA. Meine Eltern waren also schon immer Internationalisten. Das hat mir die Arbeit an meinem Roman natürlich erleichtert: viele meiner Erlebnisse und Eindrücke sind eingeflossen. Und das Büro meiner Hauptfigur, einer EU-Referentin, sieht genauso aus wie mein eigenes in Brüssel.

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: