Rezension · Romane

Warum Judith Herrmann polarisiert

herrmann„Sie kann nicht schreiben, und sie hat nichts zu sagen“ behauptet die FAZ. Gemeint ist Judith Herrmann, Anlass: ihr erster Roman „Aller Liebe Anfang“ (S. Fischer). Auch ich hatte damit zunächst Probleme. Herrmanns kindlich-holpriger Stil und die teilweise arg konstruiert wirkende Geschichte konnten mich auf den ersten Seiten nicht überzeugen. Aber ich las weiter. Und fand Gefallen an den kurzen, eigen- willigen Sätzen. An der beklemmenden Stimmung, die sich in einer Ikea-Vorstadt-Idylle breit macht. Herrmann beschreibt zwar seltsam distanziert ihre Hauptfigur Stella, die von einem Nachbarn gestalkt wird. Doch ihre sanfte, fast schon einschläfernde Prosa kippt gelegentlich ins Bedrohliche, Fesselnde. All das polarisiert, klar. Aber schreiben kann Herrmann zweifellos. Zwar nicht so, wie es die FAZ gerne hätte. Aber so, wie man es nicht jeden Tag liest. Über dem austauschbaren Belletristik-Mainstream liegt die Schriftstellerin zweifellos. Fazit: „Aller Liebe Anfang“ ist kein Meisterwerk. Aber ein außergewöhn- licher literarischer Blick hinter die Fassade eines Familienglücks.

2 Kommentare zu „Warum Judith Herrmann polarisiert

  1. Dank deiner Zeilen, lieber Günter, sehe ich etwas klarer. Der Sichtweise von Edo Reents in der FAZ konnte ich nicht folgen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s