Die Monarchisten kommen!

wien„Bim“ = Straßenbahn. „Sackerl“ = Tüte. „Deppert“ = bekloppt. Diese österreichischen Worte lernt man automatisch in Michael Ziegelwagners neuem Roman „Der aufblasbare Kaiser“ (Rowohlt Berlin). Ein Buch mit intelligentem Wortwitz und köstlichen Mundart-Dialogen. Die Handlung spielt in Wien. Muss sie auch. Denn nur dort könnten sie tatsächlich leben, Ziegelwagners skurrile Protagonisten. Hauptfigur Vera Beacher, eine junge Büroangestellte, gerät zufällig in einen Kreis von Monarchisten. Diese Herren schwadronieren bei übermäßig viel Wein, Bier und Zigaretten über eine Rückkehr Otto von Habsburgs. Der letzte Sohn des ehemali- gen Kaisers von Österreich lebt gerade noch (der Plot spielt 2011), und die Monarchisten wünschen ihn an die Regierungsspitze. Vera Beacher beobachtet die liebenswürdig-skurrilen Spinner, wandert mit ihnen, wird ein Teil des Trupps. Schließlich hilft sie bei der monarchisti- schen Infiltration einer Kundgebung gegen die Wiener Verkehrspolitik mit. Zwar erfolglos, aber immerhin. Michael Ziegelwagner hat eine höchst vergnügliche Humoreske über den Sinn und Unsinn von Monarchien und die Zumutungen des Alltags geschrieben. Eine rundum gelungene Satire mit Wiener Schmäh. Und der bis jetzt amüsanteste Roman des Jahres!

Textprobe: „Das Gehirn knurrte schon seit dem Aufstehen, der Gedankensaft gluckerte und zerschmolz ein Problem in kleine, hirngerechte Stücke. Sie brauchte ein Frühstück. Bevor sie ins Büro ging, musste sie sich etwas in den Kopf essen.“

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