Neuerscheinung

Der literarische Streetworker

isabel– Du bist ein Stalker, sagte Isabel. – Ich will nichts von dir, sagte Marcus. – Juliette ist tot. – Das weiß ich jetzt, ja.-

Nein, leicht macht es Feridun Zaimoglu seinen Lesern nicht. Knappe, rauhe Dialoge, manchmal scheinbar zerstückelt oder unvollendet. Doch genau das ist eine der Stärken seiner Prosa: Sie wirkt authentisch. In seinem neuen Roman „Isabel“ (Kiepenheuer & Witsch) begleitet Zaimoglu eine ausgemusterte Schauspielerin. Waren es in seinem vorherigen Buch „Ruß“ noch Arbeitslose und Rentner in Duisburg, die er beobachtete, sind es diesmal Isabel und andere gescheiterte Existenzen am Rand der Berliner Gesellschaft. Wie ein litera- rischer Streetworker nähert sich Zaimoglu seinen Protagonisten. Man könnte fast meinen, er stehe bei ihnen, rauche eine Zigarette mit, nippe mal am Bier, höre ihnen zu. Sein Plot gibt jedoch noch mehr her: Marcus, ein traumatisierter Soldat, tritt in Isabels Leben. Fortan ringen die beiden um sich, ums Überleben, um ihre Liebe. Zaimoglus reduzierte, scheinbar kühle Sprache mag eine Herausforderung sein – sie passt jedoch perfekt zum harten Leben seiner Figuren.

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