Neuerscheinung · Rezension · Romane

„Das ist das Gegenteil eines Blogs“

ozekiNao schreibt ungefiltert und direkt. Sie ist 16, und sie schreibt davon, wie sie von ihren Mitschülern gemobbt wird. Wie sie gezwungen wird, von Kali- fornien zurück nach Tokio zu ziehen. Wie ihr Vater einen Selbstmordver- such überlebt. Das alles schreibt sie in ihr Tagebuch und meint: „Das ist das Gegenteil eines Blogs. Das ist ein Antiblog, weil es nur für eine bestimmte Person gedacht ist, und diese Person bist du“. Zum „du“ wird in Ruth Ozekis Roman „Geschichte für einen Augenblick“ (S. Fischer) eine kanadische Schriftstellerin namens Ruth. Sie findet Naos Tagebuch in einer Tüte, die vor ihrem Haus ans Meeresufer angeschwemmt wird. Fasziniert liest Ruth Naos Geschichten – diese drehen sich nicht nur um schlimme Erlebnisse des Mädchens, sondern um dessen Urgroßmutter Jiko. Die Leiterin eines buddhistischen Bergklosters ist eine ebenso starke wie sanfte Frau. Sie lehrt Nao, nicht aufzugeben. Ruth fühlt sich immer stärker zu Nao und Jiko hingezogen und recherchiert: leben die beiden noch? Ruth Ozeki, Tochter einer Japanerin und eines Amerikaners, hat ein bezauberndes Buch geschrieben. Einen magischen Roman, der auch von Marcel Proust, Fukushima, dem Zweiten Weltkrieg und Buddha handelt. Das ist zwar ein bisschen viel auf einmal, aber Ozeki findet für diese Komplexität beruhigende Worte. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Schriftstellerin selbst Zen-Priesterin ist.

2 Kommentare zu „„Das ist das Gegenteil eines Blogs“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s