Oberinspektor Chen, der Lyriker

qiu„Eine Absage zerknüllend / trete ich in meine Rolle zurück / in den Schatten mich umgebender Hochhäuser“. Das sind die Worte von Chen Cao, einem Oberinspektor der Shanghaier Polizei. Chen ist die Hauptfigur in Qiu Xiaolongs Krimireihe – kein Held, kein Außenseiter, kein Genie. Aber ein Lyriker. Ein Feingeist. Ein sehr ungewöhnlicher Charakter für asiatische Krimis. In seinem siebten Fall „99 Särge“ (Zsolnay) ermittelt und dichtet Chen so, wie man es von ihm kennt: bescheiden, ruhig und effektiv. Diesmal muss er zwei Todesfälle unter Kollegen aufklären. Dazu recherchiert er in der Welt der chinesischen Blogger und trifft auf korrupte Parteikader, die Millionengeschäfte mit Immobilien machen. Qiu Xiaolong vermittelt auch mit seinem neuen Roman ein authentisches Bild der chinesischen Gesellschaft und ihrer Kultur. Action ist nicht sein Ding. Stattdessen führt er seine Leser elegant und informativ durch Shanghai und tief in die Dichtkunst. Wer das heutige China verstehen will, sollte sich näher mit Chen und seiner Lyrik beschäftigen. „Schräg scheint die Abendsonne / das Wasser fließt still der Ferne zu“. Meine Rezension ist im Kulturressort der Westdeutschen Allgemeinen (WAZ) erschienen. 

3 Kommentare
  1. My Crime Time sagte:

    Hui, ich habe gar nicht mitbekommen, dass es einen neuen Chen-Fall gibt! Und dann hört sich der auch noch so interessant an! Da muss ich jetzt wohl mal gleich die Buchhandlung meines Vertrauens stürmen …

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