Interview · Literaturblog · Sachbuch

Frauen lesen… (Teil 2 – Virginia Woolf & Shades of Grey)

bollmannAusgerechnet ein Mann weiß am meisten über die weibliche Leseleidenschaft: Stefan Bollmann, Literaturwissenschaftler und Bestsellerautor („Frauen und Bücher“, DVA). Wie angekündigt, hier der zweite Teil meines Interviews:

Wie verschafften sich Frauen früher Zugang zu Büchern? In gebildeteren Häusern, etwa in der Familie von Virginia Woolf, lief das über die Bibliotheken der Männer. Woolf und ihre Schwester durften zwar nicht zur Schule gehen, aber ihr Vater ließ die beiden in seiner gut bestückten Bibliothek lesen, was sie wollten. Noch um 1900 war das die Ausnahme, denn oft wurden bestimmte Bücher vor Frauen versteckt oder sogar weggesperrt. Für Woolf war Literatur ihre Bildung.

Was fasziniert Sie an Woolf? Dass sie ihr Leben lang das Lesen geliebt und gefeiert hat. Obwohl sie selbst oft schwierige Avantgardeliteratur schrieb, verschmähte sie den gewöhnlichen Leser nicht, also uns alle. Kurz nach ihrer Heirat kaufte sie mit ihrem Mann eine handbetriebene Druckmaschine, um nicht der Willkür von Verlegern ausgesetzt zu sein. Vormittags schrieben die beiden, und nachmittags produzierten sie mit der Maschine auf dem Küchentisch ihre eigenen Bücher. Das war mühsam und aufreibend, aber letztlich der Grundstein für ihre Karriere.

Am Ende Ihres Buches fragen Sie anlässlich des Erfolges von „Shades of Grey“: Was ist nur mit den Frauen los? Ja, was denn? Ich meine das ironisch. Denn wie ja bereits Mary Wollstonecraft herausfand, gab es schon immer auch weibliche Schundliteratur. Ich sehe das entspannt. Im Grunde genommen ist „Shades of Grey“ eine moderne Version von „Pamela“ von 1740. Schon damals ging es um eine junge, unschuldige Frau, die einen sadistischen Mann umerzieht. Interessant ist, dass „Shades of Grey“ aus weiblicher Fan Fiction entstanden ist, denn E. L. James schrieb ja ursprünglich einfach nur zum Vergnügen die Vampirromane von Stephanie Meyer weiter. Diese waren jedoch so prüde, dass man darauf wohl zwangsläufig mit jeder Menge Sex antworten musste.

Wie sehen Sie die Zukunft des weiblichen Lesens? Positiv! Ich beobachte eine neue Generation von Leserinnen, die trotz aller anderen Angebote und technischer Entwicklungen an der Literatur festhalten. Schauen Sie mal ins Internet: es gibt unzählige Blogs und Lesekreise, in denen Frauen den Ton angeben und die Literatur feiern. Und ganz im Geiste von Virginia Woolf gründen immer mehr junge Frauen eigene Verlage, auch im E-Book-Bereich.

3 Kommentare zu „Frauen lesen… (Teil 2 – Virginia Woolf & Shades of Grey)

  1. Früher war alles besser! Da gab’s die Schundliteratur in „Groschenheften“ (Heute gibt’s sie noch immer, allerdings wesentlich teurer, aber auch als Kindle Edition!). Und es gibt sie nicht nur für Frauen!

  2. solchen schrott lese ich nicht. ich hab 2 Bücher shades of grey für meinen Mann gekauft, weil der unbedingt einen sexroman lesen wollte, hat sich aber nicht informiert dass es angeblich ein Frauenbuch wäre, ich auch nicht, es hat mich nicht interessiert, die Bücher kamen, sie liegen in der Ecke, keiner hat sie gelesen, ich könnte sie verschenken, wenn jemand die Bücher haben möchte kann er mir Bescheidgeben über meine mailadresse

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s