Realität ist brutaler als Fiktion

ohlssonKristina Ohlsson zählt zu den erfolgreichsten schwedischen Thrillerautorinnen. Sie hat für Polizei- und Sicherheitsbehörden sowie die OSZE gearbeitet. Auf Deutsch erschien zuletzt ihr Roman „Sterntaler“ (Limes). Ich habe sie exklusiv für diesen Blog interviewt:

Kristina, worin unterscheiden sich Realität und Romane? Die Realität ist oft unglaubwürdiger und brutaler als das, worüber wir Autoren schreiben. Es gibt echte Verbrechen, die voller Klischees und Widersprüche stecken. Würde ich solche Geschichten verfassen, würde sie mir kein Leser glauben. Und mein Verlag würde sie erst gar nicht drucken.

Ein Beispiel? Vor drei Jahren lernte eine deutsche Frau auf Mallorca einen Schweden kennen. Sie verbrachten eine Nacht miteinander. Er flog zurück in seine Heimat, sie nach Deutschland, das war´s. Doch die Frau bildete sich ein, schwanger von ihm zu sein und wollte, dass er seine Familie für sie verlässt. Da er nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte, flog sie nach Schweden und tötete ihn und seine beiden Kinder mit einem Hammer. Anschließend reiste sie unbehelligt zurück nach Deutschland.

Bei einem Roman würde man sagen: an den Haaren herbeigezogen. Genau. Der Fall wird aber noch kurioser: bei der Ausreise am Stockholmer Flughafen hatte die Frau den Hammer im Handgepäck – er wurde ihr abgenommen, aber sie durfte fliegen.

Das alles ist wirklich passiert? Ja. Und es ist noch nicht zu Ende: das Taxi, mit dem die Frau vom Tatort zurückfuhr, wurde nie gefunden. Und im Haus der Opfer konnte keine DNA von ihr gefunden werden, da die Ermittler alle Spuren selbst zerstört hatten. Auch das würden mir meine Leser nicht glauben.

2 Kommentare
  1. Interessant. Genau diese Aussage „Die Realität ist oft unglaubwürdiger und brutaler als das, worüber wir Autoren schreiben.“ habe ich letztens auch auf einer Lesung von Sebastian Fitzek gehört. Er hat auch gleich von einem wahren Fall erzählt, den man als Leser sofort für völlig überzogen und an den Haaren herbeigezogen empfinden würde.
    Erschreckend finde ich dabei, dass mir Thriller schon so abstoßend gewalttätig erscheinen, dass ich sie nicht mehr lese, zumindest seitdem ich Kinder habe.

    (Die Veranstaltung war übrigens der Nachholtermin von „Spannung hoch drei“ in Braunschweig, wo ich hauptsächlich wegen Markus Heitz war. Aber Herrn Fitzek konnte ich mir dann doch nicht entgehen lassen. :-))

  2. Ja, das ist wirklich gruselig: dass das alles in der Realität noch schlimmer sein soll!

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