Krimis & Thriller · Rezension

Wenn Krimis zu lang werden

nesser576 Seiten sind lang. Sehr lang. Vor allem dann, wenn auch 250 reichen würden. Mit seinem aktuellen Roman „Himmel über London“ ist Hakan Nesser in die Länge-Falle getappt. Ausgerechnet Nesser, der sonst perfekt strukturierte, psychologisch ausgefeilte und keinesfalls zu ausschweifende Krimis vorlegt. Diesmal jedoch hat er zu viel hinein gepackt. Zur Story: ein alter, kranker Millionär lädt seine Familie zu einem Treffen nach London ein, bei dem sein letzter Wille verkündet werden soll. Raffgierig und eifersüchtig fiebern die Verwandten dem Termin entgegen. Eine klassische Genre-Konstellation, die Nesser zunächst mit einigen fesselnden Kapiteln fortschreibt. Doch schon bald ist die Luft raus. Langatmige Rückblicke ins Leben dutzender Protagonisten verwässern den Plot, nagen an der Spannung und machen dieses Buch zäh. Schade. Das kann Nesser besser. – In den 1940er- bis 60er-Jahren passierte so etwas kaum einem großen Krimiautor – jeder wusste, dass die Würze in der Kürze liegt. George Simenon und Ross Macdonald blieben meist unter 250 Seiten. James Sallis, einer der besten US- Krimi-Literaten der Gegenwart, macht das auch heute noch so.

2 Kommentare zu „Wenn Krimis zu lang werden

  1. Es ist eine hohe Kunst, einen guten Krimi zu schreiben. Es ist eine höhere Kunst, das Buch auf 300 Seiten zu beschränken. (Sag ich immer so)
    Ähnlich wie der letzte Nesser: John le Carré mit seiner empfindlichen Wahrheit. Irgendwann will man dann nur noch wissen, wie die Story ausgeht.

  2. Da stimme ich dir voll zu. Denn es gibt ja tatsächlich Krimis (und andere Romane), die vielschichtig, komplex, umfassend, intelligent und spannend sind – und trotzdem ganz locker unter 300 Seiten bleiben.

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