Frauen lesen anders (Teil 1)

imagesKein deutscher Autor beschäftigt sich so intensiv mit der Lese- leidenschaft der Frauen: Stefan Bollmanns Bestseller wie „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ wurden in 16 Sprachen übersetzt und verkauften sich eine halbe Million Mal. Das neue Buch des 55jährigen heißt „Frauen und Bücher“ (DVA) – hier Teil 1 meines Interviews:

Lesen Frauen besser als Männer? Nein. Aber sie lesen wesentlich mehr, vor allem mehr Romane. Und sie lesen anders.

Wie denn? Intensiver, einfühlsamer und bedingungsloser. Am wichtigsten erscheint mir, dass der Zusammenhang zwischen Lesen und Leben spezifisch weiblich ist. Frauen lesen Bücher, um etwas über ihr eigenes Leben und das anderer Menschen zu erfahren. Und nicht selten ändern sie nach der Lektüre etwas in ihrem Alltag. Bücher lösen etwas in ihnen aus und bewirken etwas. Männer wollen sich dagegen meist nur Informationen anlesen. Das erklärt, warum 80 Prozent aller Romane in Frauenhände gelangen.

Aber nicht selten lesen deren Männer dann auch darin. Sie geben es jedoch oft nicht zu. Und sie lesen die Bücher meist nicht zu Ende.

In Ihrem neuen Buch schildern Sie die Geschichte des weiblichen Lesens. Ist diese direkt mit der Geschichte des Romans verknüpft? Ja, durchaus. Bevor das Lesen Mitte des 18. Jahrhunderts anfing weiblich zu werden, musste man gebildet sein, um Romane zu verstehen. Es gehörte eine gewisse Gelehrsamkeit dazu, um etwa bestimmte Anspielungen einordnen zu können. Diese Gelehrsamkeit war nur Männern zugänglich. Grundsätzlich galten Romane damals als mindere Literaturgattung – anders als Lyrik und Drama. Doch dann änderte sich etwas: 1740 erschien in England „Pamela“ von Samuel Richardson, ein europaweiter Bestseller, den vor allem Frauen liebten. Den lasen alle: die Adelige, die Bürgersfrau und das Dienstmädchen. Auch Goethe kannte übrigens das Buch. Mit Romanen dieser Art fand eine soziale Egalisierung statt, und Literatur war fortan für alle Schichten und Stände interessant.

Ging es den Leserinnen damals vor allem um Unterhaltung? Nicht nur – die Lust an Literatur hatte immer auch etwas vom Streben nach Unabhängigkeit, von einem Wunsch, raus aus den Konventionen zu kommen. Romane leisteten einen wesentlichen Beitrag zur weiblichen Emanzipation.

Teil 2 meines Interviews demnächst hier im Blog.

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