Neues von der Literatur-Nobelpreisträgerin

munroGanz ehrlich: würde Alice Munro nicht in wenigen Tagen den Literaturnobelpries überreicht bekommen, hätte ich ihr neues Buch „Liebes Leben“ (S. Fischer) nach etwa 60 Seiten zur Seite gelegt. Ihre Kurzgeschichten, so mein erster Eindruck, sind zwar feinsinnig und präzise geschrieben – nobelpriesverdächtig jedoch nicht. Was also macht den Reiz ihrer Prosa aus? Ich wollte es wissen und las weiter. Erzählungen über Frühgeburten, Beerdigungen, Tischmanieren, Krankheiten und Affären. Erlebnisse und Gedanken von jungen Mädchen, Lehrerinnen, Pfarrern und Fabrikarbeitern. Kleine, leise Alltagsgeschichten aus den 1930er bis 70er-Jahren. Je mehr ich las, desto mehr lernte ich Munros Stil schätzen. Ihre vorsichtigen Beobachtungen machen sie zu einer einzigartigen Chronistin des Lebens gewöhnlicher Kanadier, zu einer wertvollen Begleiterin auf deren Lebenslinien. Manchmal kommentiert Alice Munro das, was geschieht. Dann notiert sie etwa: „Wir sagen von manchen Dingen, dass sie unverzeihlich sind, oder dass wir sie uns nie verzeihen werden. Aber wir tun es – wir tun es immerfort“. An einer anderen Stelle stellt sie fest: „Menschen haben Gedanken, die sie lieber nicht hätten. Das passiert im Leben“. An diesen Stellen begeistert die 82jährige mich dann doch. Und wird für ihre Leser zur Therapeutin und Philosophin.

7 Kommentare
  1. Ich habe das Buch heute aus der Buchhandlung mitgenommen und bin gespannt auf die Lektüre. Ich mag ihre Art der Kurzgeschichten, musste nach dem Beginn deiner Besprechung aber erst einmal schlucken – ich hoffe, ich habe mich nicht verkauft und bin bereits gespannt, was ich in ihren Geschichten finden werde.

  2. Bin gespannt auf deine Rezension – keine Sorge, verkauft hast du dich wohl eher nicht.

  3. Vielleicht sollte ich mir doch mal etwas von ihr ansehen.

  4. Vielleicht sollte ich mir doch mal etwas von ihr ansehen.

  5. Philipp Elph sagte:

    Im neusten ZEITmagazin ist eine Kurzgeschichte aus dem Jahre 1950 abgedruckt. Aber eine geschichte ist für mich nicht repräsentativ genug, um ein Lebenswerk zu beurteilen. Ich muss dann wohl noch mehr lesen.

  6. Ja, da musst du wohl durch 😉 Aber Munros Texte sind in der Regel ja nur 30-40 Seiten lang…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: