Roman oder nicht Roman, das ist hier die Frage

lars„Der Himmel streute Zucker über den Fjord, und der Mond rührte mit einem gelben Löffel um“ – ein wunderbarer Satz aus dem neuen Werk von Lars Saabye Christensen. „Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte“ (btb) heißt das Buch, und „Roman“ steht auf dem Titel. Doch schon auf Seite 15 behauptet Christensen: „Ich weiß auch nicht, ob das hier ein Roman ist“. Sicher ist: das Buch trägt autobiografische Züge. Der norwegische Literat plaudert zunächst 230 Seiten lang aus seiner Kindheit – spitzbübig und poetisch. Von seinen ersten Versuchen, ein Dichter zu sein, Freundschaften, seiner Mutter und vom Angeln mit einer Dose. Und vor allem: vom Sommer 1969, dem Jahr der Mondlandung. Funder, so heißt das Alter Ego des Autors, fühlt sich nirgendwo zugehörig: „Ich schob das Fahrrad zum Haus und stellte es dort ab. Aber ich wusste nicht, wo ich mich selbst abstellen sollte“. Christensen hat die Gabe, geniale einfache Sätze zu erfinden. Später, nach eher nüchternen 200 Seiten über seine Zeit als psychisch kranker Erwachsener in den USA, blickt er wieder auf sich selbst: „Ich habe keine Übergänge. Ich bin ein plötzlicher Mensch. An mir ist nichts beständig“. Das trifft auch auf seinen  Roman zu. Denn der Norweger stößt seine Leser von der literarischen Kindheits-Prosa in einen spröden zweiten Teil. Und erst im Epilog erklärt Lars Saabye Christensen wichtige Zusammenhänge. So wirkt „Der Sommer…“ etwas zerstückelt – die überzeugende erste Erzählung hätte ausgereicht.

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