Krimis & Thriller · Neuerscheinung · Rezension

Herrchen von Schirach

tabuneuWären wir Leser Hunde, wäre Ferdinand von Schirach ein ziemlich rohes Herrchen. In „Tabu“ (Piper), seinem aktuellen Roman, knallt er uns mal wieder seine kurzen, lakonischen Sätze in den Futternapf. „Da! Friss!“ ruft er. Und was machen wir? Schnappen uns die Brocken, wie schon bei von Schirachs vorangegangenen Fütterungen. Wieso tun wir das? Normalerweise wollen wir unser Lesefutter liebevoll serviert bekommen, wollen Identifikationsfiguren, schmeichelhafte Formulierungen, vielversprechende Plots. Bei Herrchen Ferdinand gibt’s zunächst nur Rohkost – vielleicht ist es ja genau dieser Gegensatz, der uns neugierig macht und die kargen Satzfetzen verschlingen lässt. Denn wir ahnen: manchmal ist auch das wahre Leben so kühl, so reduziert, so hart. Und Literatur soll uns ja nicht nur verführen. Sie darf uns ruhig mal vor den Kopf stoßen und überraschen. Das gelingt von Schirach, schon wieder. Obwohl er in sein erstes rundum fiktionales Werk dann doch etwas zu viele Klischees über die Fotografen- und S/M-Szene packt. Seine Kurzgeschichten sind – ja, kürzer. Und überzeugender.

P.S. „Tabu“ erzählt die Lebens-, Liebes- und Prozessgeschichte von Sebastian von Eschbach. Der introvertierte Fotograf, bekannt für extreme Projekte, wird des Mordes an einer Frau angeklagt. Ober er es war? Verrate ich hier nicht.

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