Samba. Brasilia. Favela.

linsEr tanzte. Er lachte. Gestern Abend war Paulo Lins, einer der erfolgreichsten brasilianischen Autoren, bis tief in die Nacht auf der Knaur-Party in der Frankfurter Union Halle. Sein neuer Roman „Seit der Samba Samba ist“ (Droemer) ist ein großes Thema auf der Buchmesse – und Brasilien das Gastland. Ich habe den 55jährigen Lins, der in einer Favela Rios aufwuchs,  interviewt:

Welche Bedeutung hat der Samba für Sie? Er ist mir unglaublich wichtig! Und nicht nur mir. Der Samba hat bei uns in Brasilien vor allem deswegen einen so hohen Stellenwert, weil er – wie die ganze afrikanische Kultur – für soziale Eingliederung steht. Jeder kann ihn tanzen, egal aus welcher Schicht er kommt oder welche Hautfarbe er hat. Die Sklavenhalter hatten ja versucht, die schwarze Kultur einzudämmen, um die Sklaven zu entkräften. Doch der Samba hat überlebt.

Wären Sie manchmal lieber Musiker als Schriftsteller? Oh ja! Denn Musik bietet die Möglichkeit, andere Menschen leichter zu erreichen als mit Literatur. Das gilt ganz besonders in Brasilien, wo Musik sehr populär und vielfältig ist und eine sehr große Tradition hat. Ich glaube, Musik ist die reinste Form der Kunst.

Sie schreiben über Außenseiter, Arme und Kriminelle. Was fasziniert Sie an diesen Menschen? Es sind nicht die Menschen am Rande der Gesellschaft, die mich zum Schreiben motivieren. Sondern vielmehr die gesellschaftlichen Umstände, die sie zu Außenseitern machen. Mein Antrieb sind der Rassismus, die Arbeitslosigkeit, die wirtschaftliche Ausbeutung der Entwicklungsländer und die Benachteiligung der unteren sozialen Schichten – darüber schreibe ich. Denn die wahren Gauner sind nicht Kleinkriminelle, Zuhälter oder Prostituierte.

Sondern? Korrupte Politiker, skrupellose Geschäftsleute, gewalttätige Polizisten und Militärs. Sie beherrschen Teile der brasilianischen Gesellschaft und sie sind es, die unser Land zu einem Ruinenstaat machen.


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