TV-Moderatorin ohne Gesicht

stammWas für ein Einstieg! In „Nacht ist der Tag“ (S.Fischer) brilliert der Schweizer Autor Peter Stamm auf den ersten 50 Seiten. Eindringliche literarische Beschreibungen werfen Fragen auf, wecken Neugier. Denn so viel (bzw. so wenig) ist klar: da liegt eine Frau im Krankenhaus, benommen, verstört. Wie durch Watte nimmt sie wahr, was mit ihr und um sie herum geschieht. Es ist Gillian, eine TV-Moderatorin, deren Gesicht nach einem Autounfall entstellt ist. Ihren Kampf mit sich selbst und ihre Erinnerungen schildert Stamm mit stiller, unheimlicher Dramatik. Diese Intensität geht im Verlauf des Romans verloren – ein Perspektivwechsel und ein Zeitsprung bringen zwar Abwechslung, verwässern jedoch den starken Start. Hätte Stamm das Niveau gehalten oder nach knapp 100 Seiten aufgehört, wäre diese Erzählung ein Meisterwerk. So ist der Roman immerhin noch ein bewegendes Porträt einer Frau, die aus der Bahn geworfen wird und Jahre später einen neuen Weg einschlägt.

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