Neuerscheinung · Rezension · Romane

Camilleri, das Schlitzohr

camilleriEr kann es nicht lassen: Andrea Camilleri, inzwischen 87 Jahre, schreibt Romane wie am Fließband. Seine Krimireihe um Commissario Montalbano lastet ihn offenbar nicht aus. Camilleris neues Werk „Ein Samstag unter Freunden“ (Kindler) klingt harmlos. Wer den sizilianischen Autor kennt, weiß jedoch, dass der Titel nur ironisch gemeint sein kann. Und tatsächlich: hinter dem angekündigten Treffen verbergen sich Abgründe. Im ersten Drittel schildert Camilleri Szenen aus der Perspektive von sieben Kindern. Dann folgt ein Zeitsprung: aus den Kindern sind Erwachsene geworden, Anwälte, Politiker, Erben. Oberflächlich betrachtet leben Matteo, Gianni, Giulia, Anna, Fabio, Andrea und Rena den Traum des gehobenen Mittelstands. Nur so lange allerdings, bis Camilleri unter die Oberfläche guckt. Und dort Verzweiflung, Gier, Betrug und Lügen entdeckt. Camilleris schnörkelloser, knapper Stil sorgt für ein hohes Tempo. Der erfolgreichste Romanautor Siziliens ist ein Schlitzohr: ohne sich allzu sehr anzustrengen, unterhält Camilleri, ohne zu langweilen. Sein neuer Roman ist kein Meisterwerk. Aber ein treffsicheres Porträt der gehobenen Mittelschicht.

 

2 Kommentare zu „Camilleri, das Schlitzohr

  1. Offensichtlich kein „Commissario Montalbano“ und auch kein historischer Roman. An deftiger Sprache wird’s dennoch nicht fehlen – oder?

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