Neuerscheinung · Rezension · Romane

Ab nach Andalusien

rugeEin Mann haut ab, lässt alles hinter sich. Job, Familie, Berlin. So beginnt der neue Roman von Eugen Ruge, „Cabo de gata“ (Rowohlt). Es ist eine kleine Geschichte, eher eine Novelle, aber ganz große Literatur. Ruges sorgfältiger Wortwahl kann man sich kaum entziehen. Seine feinen, schlanken Sätze schaffen sofort eine Nähe zu seiner Hauptfigur, dem Ich-Erzähler. Dieser Mann reist nach Barcelona, dann weiter nach Andalusien. In Cabo de Gata, einem kargen Küstenort, bleibt er. Bezieht ein einfaches Zimmer, beobachtet die Bewohner und das Meer, versucht, einen Roman zu schreiben, freundet sich mit einer Katze an. 123 Tage vergehen, ohne dass etwas Außergewöhnliches passiert. Und der Roman vergeht, ohne dass Ruge einen klassischen Plot oder Spannungsbogen umsetzt. Was kein bisschen stört – Ruge ist ein so genialer Verdichter und Erzähler, dass sich sogar der Stillstand spannend liest. Ein überzeugendes schmales Buch übers Weggehen, Bleiben und Scheitern.

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